Der schwere Weg aus der Spielsucht

BBV, Patrik Moebs vom 11.04.2020
Wir danken dem BBV, dass wir den Bericht hier übernehmen dürfen.

Ein Betroffener berichtet, wie er in nur zwei Monaten süchtig danach wurde, an Glücksspielautomaten zu spielen, und wie ihm der SKM dabei geholfen hat, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Bocholt Zwei Monate. So lange dauerte es, bis Peter M. (Name geändert) spielsüchtig war. Immer mehr Geld steckte er in Glücksspielautomaten. Um das zu beschaffen, beging er irgendwann Diebstähle. Er flog von der Schule, sah seine Familie monatelang nicht mehr, hatte Suizidgedanken. Doch M. schaffte den Absprung. Er machte eine stationäre Therapie, bekam danach einen Platz in einer Wohngruppe des SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste). Heute macht er selber Präventionsarbeit in Schulen, um auf die Gefahren der Spielsucht hinzuweisen.

Peter M. war noch Schüler, als er spielsüchtig wurde. Ausgangspunkt war ein eigentlich harmloser Besuch in einer Spielhalle. „Mein Bruder hatte dort 20 Euro gewonnen, und ich habe gedacht, das ist ja leicht verdientes Geld“, sagt M. Und tatsächlich gewann er beim ersten Besuch 25 Euro. „Super, das Geld kann ich für Zigaretten und Benzin benutzen“, habe er sich gesagt.

Zunächst ging M. alle zwei Wochen ins Spielkasino, später fast jeden Tag. Nach zwei Monaten gewann er 550 Euro auf einen Schlag. „Rückblickend kann ich heute sagen: Ab da war ich süchtig“, sagt M. Er gewann in drei Monaten 8000 Euro, verspielte sie aber auch in sechs Wochen wieder. „Das Spielen an den Automaten setzt Glückshormone frei“, erklärt Christiane Wiesner von der Glücksspielsuchtberatung des SKM.

M. geriet in einen Teufelskreis. Er lieh sich Geld bei Freunden, Nachbarn. Er bestahl die Familie. „Ich habe auch mehrere Handyverträge abgeschlossen und die Handys dann verkauft“, erzählt er. Er flog von der Schule, bevor er sein Abitur machen konnte, wurde zu Hause rausgeschmissen. Zu einem Nebenjob ging M. nicht mehr hin, besuchte stattdessen lieber die Spielhalle. Wiesner: „Der psychische Stress wird immer größer.“

M. kamen Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen. „Da habe ich dann nicht nur erkannt, dass ich süchtig bin, sondern auch, dass ich etwas ändern musste“, sagt er. M. hatte Glück. Seine Familie nahm ihn wieder auf, und er fand einen Therapieplatz in einer Suchtklinik. „Die ersten Wochen waren hart“, erinnert er sich. Beim SKM bekam er dann einen Platz in einer Wohngruppe, in der er zwei Jahre blieb. M.: „Zu Hause wäre ich wohl wieder rückfällig geworden.“

Parallel dazu konnte er beim SKM eine ambulante Therapie machen. Diese findet über mehrere Monate in Einzel- und Gruppensitzungen statt. „Wir haben ihm auch dabei geholfen, seine Schulden in den Griff zu bekommen und seine berufliche Zukunft zu planen“, sagt Wiesner. M. machte doch noch sein Abitur, studiert inzwischen und ist deshalb aus der Wohngemeinschaft ausgezogen. Und er geht regelmäßig in Bocholt zu einer Kreuzbund-Gruppe für junge Menschen.

„Nach zweieinhalb Jahren hatte ich einen Rückfall“, sagt M. „Das ist ganz normal und gehört dazu“, erklärt Wiesner. „Normalerweise ist Stress dafür verantwortlich. Wichtig ist, zu analysieren, was die Ursache ist.“ M. machte alles richtig. Er wandte sich nach seinem Rückfall sofort an den SKM, der ihm half. „Und meine Kreuzbund-Gruppe hat mich ganz toll unterstützt“, sagt er.

Ambulante Therapie

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat pathologisches, das heißt krankhaftes Glücksspielen als Krankheit anerkannt. Der SKM in Bocholt bietet als einziger Verband in weiem Umkreis eine ambulante Therapie bei Glücksspielsucht an. „Zwischen Münster und Düsseldorf gibt es das sonst nicht”, sagt Geschäftsführer Berthold Tenhonsel. Kein Wunder also, das die Nachfrage hoch ist. „Wir haben stetig wachsende Zahlen”, sagt Christiane Wiesner von der Glücksspielsuchtberatung des SKM. In den vergangenen Monaten habe es eine Steigerung um 50 bis 60 Prozent gegeben. Der große Vorteil des Angebots, das es seit fünf Jahren gibt, ist, dass die ambulante Therapie vor Ort gemacht werden kann. Spielsüchtige sind meist Männer. die einem Beruf nachgehen und daher auch Geld haben, sagt Wiesner. Die Dauer einer ambulanten Therapie, die vom Rentenversicherungsträger bewilligt werden muss ist unterschiedlich lang. Sie liegt im Normalfall zwischen vier Wochen und drei Monaten. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Krise kann der SKM zur Zeit nur Telefonberatung machen. Erreichbar sind die für Glücksspielsucht zuständigen Mitarbeiterinnen Christiane Wiesner und Michaela Schäfer unter Telefon 02871 8891 oder per E-Mail an skm.bocholt@t-online.de. Eine wöchentliche Selbsthilfegruppe ruht momentan.