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Zehn Jahre Männerarbeit – SKM Bocholt bietet für ein „schwieriges Klientel“ Aktivitäten und geschützten Raum zum Austausch an

BBV / Sven Betz vom 27.10.2017
Wir danken dem BBV und Sven Betz, dass wir den Bericht und das Foto hier übernehmen dürfen.

Von Theo Theissen

Bocholt. Seit zehn Jahren bietet der katholische Verein für soziale Dienste (SKM) Bocholt sogenannte Männerarbeit an. Dahinter verbirgt sich ein monatliches Treffen in einem geschützten Raum für Männer, die sich austauschen möchten, miteinander über Probleme sprechen wollen oder mit anderen Männern etwas unternehmen möchten. „Wir sind keine Selbsthilfe- oder Therapiegruppe“, betont Gustav Arnold. Der 72-Jährige ist stellvertretender SKM-Vorsitzender und betreut ehrenamtlich zusammen mit Alfons Eiting die Männerarbeit.

18 Männer besuchen zurzeit regelmäßig den themen- und personenzentrierten Männer-Gesprächskreis. Sie treffen sich zum Radfahren, Kochen oder zum Sport. Gemeinsam unternehmen sie Wochenendfahrten, engagieren sich für soziale Projekte, frühstücken zusammen oder bereiten die Bocholter Männertage vor. „Das ganze Jahr über basteln wir Dekoartikel, die wir vor dem ersten Advent für den guten Zweck verkaufen. Das nächste Mal am Samstag, 25. November 2017, an unserem Stand in der Osterstraße“, sagt Arnold.

Foto: Sven Betz

Gustav Arnold betreut die Männerarbeit beim SKM und leitet den Gesprächskreis.
Foto: Sven Betz

„Männer sind ein schwieriges Klientel. Sie reden nicht so gerne und haben eine andere Art als Frauen, Probleme zu lösen. Es ist schwer, sie zu motivieren“, sagt Arnold. Im Gesprächskreis werde in lockerer Atmosphäre über „Gott und die Welt“ geredet, fügt er hinzu. „Da geht es mal um die Arbeitsstelle, um Erziehungsprobleme oder Schwierigkeiten in der Ehe, aber auch um Politik, um das Freizeitverhalten von Kindern oder um Glaubensfragen“, sagt Arnold.

Männerarbeit gehöre klassisch zum SKM, fügt Gustav Arnold hinzu. „Die Sensibilisierung von Männern, ihre eigene Rolle in der Familie und in der Gesellschaft zu finden, und auszufüllen, ist Bestandteil der Männerarbeit.“

Am Freitag, 10. November 2017, soll das zehnjährige Bestehen der Männergruppe „Gemeinsam unterwegs“ um 19 Uhr in den Räumen der Familienbildungsstätte am Ostwall gefeiert werden. Dazu werden neben dem Sänger Stefan Passerschroer aus Rhede, dem Kölner Kabarettist Dominic Daleske und der Referentin Andreas Moorkamp vom Caritasverband Münster auch Berthold Schröder, erster Vorsitzender des SKM Bocholt, erwartet. Gustav Arnold und Andreas Böggering werden zum Thema „10 Jahre Männerarbeit in Bocholt in Bildern“ referieren.


Im nächsten Jahr möchte der SKM Bocholt seine Männerarbeit intensivieren. Zurzeit bildet er einen Mitarbeiter zu diesem Thema aus, der die Beratung von Jungen und Männern in Konfliktsituationen und die Gewaltberatung hauptamtlich übernehmen soll. Die allgemeine Männerarbeit werde weiterhin ehrenamtlich betreut, sagt der stellvertretende SKM-Vorsitzende Gustav Arnold. Es gebe bundesweit nur sieben oder acht SKM-Vereine, die sich mit Männerarbeit beschäftigen würden, weshalb dem Projekt in Bocholt eine besondere Bedeutung zukomme, fügt er hinzu.

Experte: Mehr Glücksspiel unter Berufsschülern

BBV / Sven Betz vom 19.05.2017
Wir danken dem BBV und Sven Betz, dass wir den Bericht und die Fotos hier übernehmen dürfen.

Bocholt – Am Berufskolleg Bocholt-West ging es am Donnerstag um die Glücksspielsucht. Für rund 180 Schüler gab es einen Expertenvortrag zum Thema. Der Grund: Laut Experte Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen würden Berufsschüler im Vergleich zu anderen Schulformen ein doppelt so hohes gefährdendes Glücksspielverhalten aufweisen.

Foto: Sven Betz, Bocholt
Freuen sich am Berufskolleg Bocholt-West über die „Glüxxit-Box“ (von links): Michael Weege, Werner Rasch, Dr. Tobias Hayer, Birgit Dormann, Christiane Wiesner, Verena Verhoeven, Roland Bürger und Jörg Vriesen.

Das vom Katholischen Verein für soziale Dienste Bocholt (SKM) organisierte Workshop-Seminar Glüxxit stieß bei den 18- bis 24-jährigen Berufsschülern und ihren Lehrern auf großes Interesse. Tobias Hayer, promovierter Psychologe, eröffnete seinen Vortrag mit einem Comic, in dem eine Toilette, ein Spielautomat und ein Haufen Geld zu sehen war. Dann stellte er klar: „Egal, wo Sie Ihr Geld hineinwerfen – der Effekt ist immer derselbe!“.

Hayer sprach über Symptome der Glücksspielsucht wie die Abstinenzverweigerung (das Verlangen, immer und überall zu wetten oder am Spielautomaten zu spielen), die ständige Geldknappheit und den Wunsch, dringend Geld beschaffen zu wollen. Oder das Gefühl, dass das Glücksspiel immer mehr zum zentralen Lebensinhalt wird. Er berichtete von dem Bedürfnis, den Spielverlusten ständig hinterherzujagen und darüber Hobbys, Schule und private Interessen immer mehr zu vernachlässigen. „Als ich die Schüler fragte, wer jemanden mit solchen Symptomen kennt, zeigten einige auf“, sagte Hayer.

Interessant seien auch die Einzelberichte der Schüler über Gewinnerlebnisse gewesen, fügte Hayer hinzu. Ein Schüler habe erzählt, dass er bei einer Sportwette 1500 Euro gewonnen habe. Eine Schülerin berichtete von einem Gewinn in Höhe von 60 Euro am Geldspielautomaten. Das Gefühl, das beide dabei gehabt haben, sei „super“, „berauschend“ und „geil“ gewesen.

„Mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren nehmen viele Jugendliche – übrigens mehr Jungen als Mädchen – erstmals an Glücksspielen teil“, sagt Hayer. Besonders beliebt seien in dieser Altersgruppe Würfel- und Kartenspiele sowie Rubbellose und Sportwetten, aber auch Glücksspielangebote im Internet.

Zum Abschluss erhielt das Kollegium des Berufskollegs Bocholt-West eine „Glüxxit-Box“ mit Ansichtsmaterial von mehreren Glücksspielvarianten und Informationen über Hilfsangebote zur Bekämpfung der Sucht.

Hilfsangebote für Betroffene

Wer mehr über das vom Land geförderte Präventionsprojekt „Glüxxit“ zum Thema Glücksspielsucht für Schüler von Berufskollegs erfahren möchte, erhält weitere Informationen im Internet unter gluecksspielsucht-nrw.de. Ansprechpartner im Berufskolleg Bocholt-West sind Beratungslehrer Jörg Vriesen und die Schulsozialarbeiterin Birgit Dormann. Darüber hinaus gibt es auch Beratungsmöglichkeiten beim Katholischen Verein für soziale Dienste Bocholt (SKM), der montags bis freitags unter 02871 8891 erreichbar ist.

Sucht am Arbeitsplatz – Arbeitskreis will Thema aus der Tabuzone holen

BBV / Sven Betz vom 18.04.2017
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Bocholt – Am Dienstag nach Rosenmontag verteilte Michael van Kronenberg im vergangenen Jahr vor Schichtbeginn in der Siemens-Belegschaft Pusteröhrchen für einen freiwilligen Alkoholtest. „Die Aktion kam bei der Belegschaft gut an“, sagt van Kronenberg. Seit sechs Jahren ist er betrieblicher Sozialarbeiter bei Siemens in Bocholt und engagiert sich im Arbeitskreis Sucht.

Foto: Sven Betz
Foto: Sven Betz
Sucht am Arbeitsplatz kann viele Gesichter haben.

Für viele Arbeitgeber, Führungskräfte und Arbeitnehmer ist das Thema Sucht am Arbeitsplatz noch immer ein Tabu-Thema, das oft verdrängt wird. Das möchte der vor 25 Jahren noch unter Flender gegründete Arbeitskreis Sucht ändern.

Als Sozialberater ist van Kronenberg im Bocholter Siemenswerk für rund 3000 Menschen zuständig. Er betreut alkoholkranke, spiel-, drogen- oder mediensüchtige Kollegen, Führungskräfte und deren Angehörigen. Wie viele Beratungsgespräche er im Jahr führt, will er nicht sagen. Zweimal jährlich kommt der Arbeitskreis Sucht zusammen. Ihm gehören Vertreter des Siemens-Betriebsrates, der Personalabteilung, der Werksarzt, Mitarbeiter der SKM-Sucht- und Drogenberatungsstelle Bocholt, der Suchtpräventivstelle des Kreises Borken sowie Betroffene an, die als ehrenamtliche Suchthelfer mitarbeiten.

Foto: Sven Betz
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Berthold Tenhonsel, Geschäftsführer des SKM

„Ein großer Konzern spiegelt die Probleme der Gesellschaft wider, so auch bei Siemens“, sagt Berthold Tenhonsel, Geschäftsführer des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM). Auch er engagiert sich im Arbeitskreis Sucht. „Unser Ziel ist es, alles dafür zu tun, dass ein von Alkohol- oder einer anderen Suchterkrankung betroffener Siemens-Mitarbeiter einen schnellen und unkomplizierten Zugang zum örtlichen Suchthilfesystem erhält“, fügt der 51-Jährige hinzu. Darüber hinaus versucht der Arbeitskreis Sucht, durch besondere Aktionen das Thema Sucht präventiv ins Bewusstsein der Mitarbeiter und aus der Tabuzone zu bringen. Für Herbst dieses Jahres plant der Arbeitskreis eine Veranstaltung mit den Siemens-Auszubildenden zur Medien- und Glücksspielsucht.

Wendet sich ein Mitarbeiter an van Kronenberg, weil er Hilfe braucht, wird er vom Arbeitskreis bei der Entwöhnung und Entgiftung unterstützt und beraten. „Siemens unterstützt das und kündigt die Beschäftigten nicht“, sagt van Kronenberg.

Foto: Sven Betz
Foto: Sven Betz
Michael van Kronenberg, Sozialberater bei Siemens Bocholt

Manchmal werde er auf einen Kollegen hingewiesen, der schon öfters mit einer „Alkoholfahne“ zur Arbeit gekommen ist oder anders auffällig geworden ist. Manchmal würden auch betroffene Mitarbeiter von sich aus das Gespräch suchen, um sich helfen zu lassen. „Alle Gespräche werden selbstverständlich diskret und streng vertraulich geführt. Uns geht es ja nicht darum, jemanden zu erwischen, sondern ihm zu helfen und ihn betrieblich aufzufangen“, sagt der 48-jährige Sozialberater.


Der Arbeitskreis Sucht hofft, dass seine Form der Suchtprävention und -beratung in möglichst vielen Bocholter Betrieben Nachahmer findet. Wer dazu an mehr Informationen interessiert ist, kann sich unter Telefon 02871 922-160 an Michael van Kronenberg oder unter Telefon 02871 8891 an den Sozialdienst Katholischer Männer werden.